Pt. 5
Liebe Leserinnen und Leser, zunächst möchte ich die Einleitung der vorausgegangenen Berichte einordnen: Diese ist unserem schwarz-gelben Drittligisten und dessen Aufstiegshymne gewidmet. Falls sich jemand fragt, wer der verirrte Chronist ist: als kleiner Bruder einer Aachener ASVerin darf ich erstmals mit eurer blauen Wundertüte mitsegeln, und kann natürlich nicht umher, dies dauerhaft mit dem Seeschiff meines eigenen ASVs zu vergleichen. Dort haben Tassen noch Henkel und im Salon wohnt ein mindestens antiker Barograph. Interessanterweise – und das muss ich an vielen weiteren Ecken feststellen - funktioniert es auch ohne!
In der Bucht wird hemmungslos ausgeschlafen oder aber hemmungslos früh aufgestanden, um in der Morgenruhe zu lesen. Die Bucht hat uns nicht enttäuscht und Urlaubsgefühle lassen sich nicht mehr wegdiskutieren. Nach umfangreichem Frühstück und einem Bad geht es motiviert aufs Wasser, denn zwischen uns und unserem Ziel scheint nur ein Spigang zu liegen. Nach zwei reibungslosen Halsen erinnert sich der Wind: this is Sparta! Er dreht und schläft ein. So begleitet uns das Dröhnen der Bronzefock bis zum Ziel: im Hauptort der Insel Zakynthos soll einklariert werden. Das Mittelmeer macht keinen Unterschied zwischen Anlege-Konfessionen: römisch-katholisch ist dasselbe wie griechisch-orthodox. Das geht auch mit ohne Ankerspill. Für ein wenig Hafenkino sorgt der einlaufende Einhandsegler, der anscheinend seinen ersten Anleger direkt neben uns versucht. Schließlich klappt es dank Personalaufstockung aus unserer Crew. Dankbar bietet er uns seine Passarelle an, die wir mit Verweis auf unsere Jugend und Gelenkigkeit ausschlagen. Das erste Einklarieren erfolgt in der Kneipe gegenüber, wo direkt ein Tisch reserviert wird. Anschließend Freilauf für die Crew: das ruhige Hafenstädtchen hat in der zweiten Reihe die typische Fußgängerzone, in der es zwar 30 identische Touri-Shops, jedoch nicht die erhoffte, bisher vermisste Gastlandflagge gibt. Doch als die ASVer die Stadt mit SAR-Raster durchkämmen, wird auch eine Flagge ausfindig gemacht. Einige wandern zur Kirche und müssen unterwegs feststellen, dass der schnelle Ralf schon längst dort war. Auf dem Weg nach oben eine Vorlesung zur Geschichte der Insel: beinahe jede Europäische Macht hatte sie einmal besetzt. Den Grafittis auf den Wänden zufolge ringen gegenwärtig die Ultras von Olympiakos und Panathanaikos um die Vorherrschaft. Später wird der Abend in einer Taverne mit Livemusik eingeläutet und an Bord beim Kartenspiel zu Ende gebracht.
Pt. 6
Beim Frühstück wird trotz müder Augen der Plan auf Ablegen um 10 fixiert. Zu ambitioniert? Trotz klar Schiff machen und bunkern schaffen wir es, da die Bordzeit ct. läuft. Das Tagesziel heißt Urlaubssegeln. Doch im Ionischen Meer sind selbst 30 NM ambitioniert und nur Anfänger versuchen vor 16h die Segel zu setzen. Dank mysteriöser Thermik bekommen wir den S2 trotzdem für einige belohnende Minuten zum Stehen. Man freut sich, wie entspannt Spi segeln mit einer erfahrenen Crew sein kann. Das Tagesziel heißt Kefalonia. Die Insel ist für griechische Maßstäbe wunderbar grün, die steilen Hänge sind kaum bebaut und hübsch anzuschauen. In der erwünschten Bucht angekommen beratschlagen wir ca. 2h den optimalen Ankerplatz. Doch nach dem Ankern kommt das Böse erwachen auf einem Jetski angebraust: „Please move, here Jetskiverleih!“ Wenigstens ist unser Anker-Auf-Game mittlerweile konkurrenzfähig. Der Schiffer erläutert im Anschluss den Plan für die kommenden Tage, bis ihm die Show gestohlen wird: die lang ersehnte Schildkröte! Zum Sonnenuntergang meinen wir, die beste Party der Bucht zu sein, bis eine Hochzeitsfeier am Strand beginnt. Doch den Gästen dort ersparen wir uns und begnügen uns mit der Bordperspektive.
Pt. 7
Mittlerweile haben wir den Rhythmus der Region erlernt und wollen den Vormittag für all die Dinge nutzen, die keinen Wind erfordern: Plantschen, Körperhygiene, Wandern. Also wird die Gummisau aufgepumpt, der Tausendwatt-Mixer angebaut und Abfahrt! Der steile Pfad über die Hügel verspricht Abwechslung und einen Blick auf das Schiff im Blau. Am Hang finden wir von Außerirdischen hinterlassene Steingebilde. Schnell wieder zurück. Wir legen ab und segeln um Ithaka – die Heimat von König Odysseus. Fun fact des Tages: hier widersprechen sich Mythologie und Geschichte – kam er wirklich von der Insel oder doch vom Festland? Wie immer wird der S2 gesetzt, bevor wir auf kleine Amwindbesegelung reduzieren müssen. In der Zielbucht auf Lefkas bieten viele Stege einen schnellen Zugang zu den diversen Tavernen. Bevor wir dort einkehren, bekommt der Jüngste unserer Nachbaryacht eine Bordführung und den freundlichen Tipp, sich nach dem Abitur doch in der Kaiserstadt zu immatrikulieren. Die Taverne enttäuscht nicht; der Abend wird unter heißen Gesprächen über Segelausbildung und den sonstigen Probleme der Welt in frühe Morgenstunden verwandelt, ehe auch aus der letzten Koje ein leises Schnarchen erklingt.
Pt. 8
Am Morgen wacht die Crew mit der Rechnung des Vorabends auf, das Trinkgeld wird mit Kopfschmerzen entrichtet. Doch die Welt hat nun ein paar Probleme weniger, das war es doch wert. Wie immer gibt es ein ausgezeichnetes Frühstück und während wir ahnungslos uns und das Schiff klarieren, läuft im Hafenkino der Blockbuster „Mensch lehnt sich gegen parkendes Auto ohne Handbremse, bis dieses losrollt und ins Hafenbecken plumpst“. Hektik beginnt, der Hafenmeister versucht, den noch schwimmenden Corolla mit seinem Schlauchboot zum Strand zu schleppen. Als der Wagen absäuft, hat er wenigstens die Höhe der Slip-Rampe erreicht. Als wir später den Hafen verlassen, versuchen die Anwohner immer noch, den Wagen mit einem SUV an Land zu ziehen. Aber nicht mal hierfür sind SUVs zu gebrauchen. Schließlich schafft es der lokale LKW-Kran.

Wir steuern die nächste und letzte Bucht der Insel an. Einmal noch ankern in klarem blauen Wasser, planschen, flätzen, lesen... ein Leben reicht nicht aus, um davon genug zu bekommen. Pünktlich zur 16:00-Brise sind wir wieder segelklar und auf Kurs Korfu. Wir haben unseren Spaß bis in die Abendstunden, doch wie er auf Bestellung gekommen ist, flaut er zum Sonnenuntergang mit Ansage ab. Bis Korfu war's das. Also runter mit den Segeln, wir teilen das Wachsystem mit Blick auf maximale Schlafstunden ein.
Pt. 9
In der Morgendämmerung wird man geweckt, während die AGIV durch die Paxische und Kerkyrische See motort. Wir erreichen Korfu. Die Yachtclubs am Fuße der Stadtfestung wurden an den Vortagen telefonisch abgeklappert, leider haben sie nicht ausreichend Tiefgang. Also versuchen wir es im nächsten, recht zentralen Hafen. Während dieser im Hafenhandbuch noch als adäquater Yachthafen geführt wird, ist er in Realität eine Baustelle, in der ein Bagger und ein Wrack liegen. Wir fühlen uns nicht willkommen und steuern die große Marina Gouvia an, welche 45 Minuten Nordwestlich liegt. An dem Hafen angekommen verweist uns der Hafenmeister per Funkgerät des Platzes, wir mögen doch bitte zu zivilisierter Uhrzeit zurück kehren. Na gut, Ankern können wir ja mittlerweile. Also in die vorgelagerte Bucht, es fällt der Anker und die Crew wieder in ihre Kojen. Über diesen Spot freut man sich wenigstens beim späteren Aufstehen. Wie immer gibt es ein tadelloses Frühstück und Bademöglichkeit, bevor wir erneut den Hafen versuchen. Diesmal mit mehr Glück.
Für einen Teil der Crew ist Korfu die Endstation, also werden Baustellen, Proviantieren und Putzen aufgeteilt, sodass wir bald die Altstadt Korfus erkunden können. Vor allem der junge Schiffer freut sich schon auf die reichliche Fauna der grünen Insel. Insbesondere die unbezifferbare Wildschweinpopulation muss unter die Lupe genommen werden. Vor dem letzten Abend bedankt sich der Bordreporter für die Mitfahrgelegenheit in bester Gesellschaft und wünscht der Crew weiterhin Handbreit auf dem Weg nach Dubrovnik und der AGIV eine reibungslose Restsaison.
FAZIT
Besuchte Inseln: Malta, Zakynthos, Kefalonia, Lefkas, Korfu
Zurückgelegte Distanz: 462 nm
Davon unter Segeln: 320 nm
Bewunderte Tierwelt: Schildkröte (1x), Delfin (1x), Red Snapper (2x)















